Team bei der Zusammenarbeit nach personellen Veränderungen – kantaa gut beraten

Ein Team hat innerhalb eines Jahres drei von acht Mitgliedern verloren – zwei Kündigungen, ein Wechsel in eine andere Abteilung. Die Leitung sieht die neuen Kolleg:innen eingearbeitet, die Aufgaben verteilt, den Dienstplan gefüllt, und geht davon aus, dass das Team wieder normal funktioniert. Im Alltag zeigt sich aber: Absprachen, die früher selbstverständlich waren, funktionieren nicht mehr. Konflikte entstehen an Stellen, die vorher nie ein Thema waren.

Diese Leitung hat ein verbreitetes Missverständnis: Ein Team mit neuen Mitgliedern ist nicht dasselbe Team, ergänzt um ein paar neue Gesichter. Es ist ein anderes Team, das erst wieder zueinander finden muss.

Warum ein Team nach Abgängen nicht dasselbe Team ist

Jedes Teammitglied trägt einen Teil des gemeinsamen impliziten Wissens: wie Entscheidungen hier normalerweise getroffen werden, wer welche informelle Rolle hat, welche Konflikte bereits einmal bearbeitet wurden und welche noch offen sind. Verlässt ein Mitglied das Team, geht dieser Teil des gemeinsamen Wissens nicht automatisch an die Verbleibenden über – er ist an die Person gebunden, die gegangen ist.

Kommt eine neue Person hinzu, bringt sie ihr eigenes Wissen, ihre eigenen Erwartungen und ihre eigene Art der Zusammenarbeit mit. Das gemeinsame System muss sich neu einpendeln – nicht weil jemand etwas falsch macht, sondern weil ein neues System aus alten und neuen Teilen entsteht, das sich erst noch finden muss.

Wissensverlust und Beziehungsverlust als getrennte Probleme

Wenn ein Team Mitglieder verliert, verschwinden zwei unterschiedliche Dinge gleichzeitig, die oft miteinander vermengt werden. Das eine ist Fachwissen und Prozesswissen: Wie wird dieser bestimmte Fall dokumentiert, wen ruft man bei diesem speziellen Problem an. Dieses Wissen lässt sich vergleichsweise gut durch Einarbeitung, Dokumentation und Übergabe ersetzen.

Das andere ist Beziehungswissen: Wie tickt diese Kollegin unter Druck, wem kann man in einer schwierigen Situation vertrauen, welche unausgesprochenen Regeln gelten im Team. Dieses Wissen lässt sich nicht dokumentieren und nicht in einer Einarbeitungswoche vermitteln – es entsteht nur durch gemeinsam erlebte Zeit. Teams, die nach einem Personalwechsel weiter kriseln, haben meist das erste Problem gelöst und das zweite übersehen.

Warum Einarbeitung die Teamfrage nicht beantwortet

Eine gute Einarbeitung sorgt dafür, dass eine neue Fachkraft ihre Aufgaben kennt und ausführen kann. Sie beantwortet aber nicht, wie sich das neue Teammitglied in die bestehende Beziehungsstruktur einfügt, welche informelle Rolle es übernimmt, oder wie die verbliebenen Mitglieder mit dem Verlust der gegangenen Kolleg:innen umgehen. Diese Fragen liegen außerhalb dessen, was ein Einarbeitungsplan leisten kann, so gut er auch gestaltet ist.

Genau hier entsteht die Lücke, die viele Leitungen unterschätzen: Sie investieren viel in die fachliche Einarbeitung und wenig bis nichts in die Frage, wie das Team als Ganzes seine neue Zusammensetzung verarbeitet.

Wiederkehrende Phasen statt linearer Entwicklung

Ein hilfreicher Gedanke aus der Teamentwicklungsforschung: Teams durchlaufen nach jeder größeren Veränderung ihrer Zusammensetzung erneut Phasen der Orientierung und Klärung, ähnlich wie es das Tuckman-Modell für die erstmalige Teambildung beschreibt. Ein etabliertes Team, das drei neue Mitglieder aufnimmt, beginnt nicht bei null, aber es durchläuft doch wieder eine Phase erhöhter Reibung, bevor sich eine neue, gemeinsam getragene Arbeitsweise einspielt.

Diese Reibung ist kein Rückschritt und kein Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist. Sie ist der normale Preis dafür, dass ein neues System aus Menschen zueinanderfindet. Leitungen, die das wissen, reagieren gelassener auf vorübergehend erhöhte Spannungen, statt sie als Alarmsignal zu werten.

Was in dieser Phase hilft

Ein moderierter Rahmen, in dem das veränderte Team explizit über seine neue Zusammensetzung spricht – nicht über einzelne Fachaufgaben, sondern über Rollen, Erwartungen und ungeschriebene Regeln –, verkürzt diese Orientierungsphase erheblich. Ohne einen solchen Rahmen findet dieselbe Klärung trotzdem statt, aber langsamer und über deutlich mehr informelle Reibung.

Auch neue Mitglieder selbst profitieren von einem solchen Rahmen, mehr als von einer weiteren fachlichen Einweisung: Wer explizit erfährt, welche ungeschriebenen Regeln in einem Team gelten, muss sie nicht mühsam durch Versuch und Irrtum herausfinden – ein Prozess, der sonst leicht Monate dauert und in dieser Zeit für Missverständnisse auf beiden Seiten sorgt.

Für Leitungen bedeutet das: Nach einem größeren Personalwechsel lohnt sich eine bewusste Investition in die Teamebene, zusätzlich zur fachlichen Einarbeitung der neuen Kolleg:innen. Wer diesen Prozess mit externer Unterstützung begleiten möchte, klärt Umfang und Format am besten in einem Kennenlerngespräch.

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