„Wie nah darf ich sein – und wie weit muss ich mich schützen?" Eine Frage, die in der sozialen Arbeit täglich auftaucht und selten einfach zu beantworten ist.
Beziehungsarbeit ist das Herzstück sozialer und pädagogischer Fachlichkeit. Sie entfaltet Wirkung genau dort, wo echte Verbindung entsteht – und scheitert dort, wo Grenzen unklar bleiben oder persönliche Verstrickungen unbemerkt die Rolle übernehmen. Nähe und Distanz sind dabei keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer professionellen Haltung, die sich aktiv gestalten lässt.
Dieses Seminar gibt Fachkräften Orientierung und Werkzeuge: theoretisch fundiert, praxisnah und mit Raum für Reflexion der eigenen Erfahrungen.
Worum geht es?
In Berufsfeldern, die von intensiver Beziehungsarbeit geprägt sind – Sozialarbeit, Betreuung, Jugend- und Eingliederungshilfe, Pflege –, ist die Frage nach dem richtigen Maß an Nähe und Distanz alltäglich und zugleich komplex. Zu viel Nähe gefährdet die professionelle Haltung und führt zu emotionaler Erschöpfung. Zu viel Distanz verhindert Vertrauen und damit die Wirksamkeit der Arbeit.
Professionelle Nähe und Distanz sind jedoch keine Zufallsprodukte – sie lassen sich verstehen, reflektieren und bewusst steuern. Das Seminar legt dafür theoretische Grundlagen und schafft gleichzeitig Raum, eigene Muster zu erkennen und Handlungsoptionen zu entwickeln.
Inhalte des Seminars
- Grundlagen professioneller Nähe und Distanz – Was unterscheidet spontane zwischenmenschliche Dynamiken von bewusst gestalteter Beziehungsarbeit?
- Bindungstheorie nach John Bowlby – Wie prägen frühere Bindungserfahrungen das Verhalten von Klient*innen – und wie wirken sie auf uns zurück?
- Selbst- und Fremdwahrnehmung – Reflexion eigener Grenzen und ihrer Auslöser; wie nehmen andere mein Verhalten wahr?
- Übertragung und Gegenübertragung – Unbewusste Beziehungsmuster erkennen und professionell damit umgehen.
- Das Prinzip der Antwort – Feinfühlig reagieren, Autonomie wahren, nicht vereinnahmen.
- Kernaspekte der Abstinenzregel – Eigene Erwartungen, Emotionen und Wünsche aus der Beziehung heraushalten.
- Beziehungsarbeit nach Carl R. Rogers – Kongruenz, Empathie und bedingungsfreie Wertschätzung als Grundprinzipien.
- Selbstfürsorge – Rituale und Strategien, um die eigene innere Balance zu schützen.
Methoden und Arbeitsweise
Das Seminar verbindet kompakte Theorieinputs mit praktischen Übungen und Reflexionsphasen. Dazu gehören Kleingruppenarbeit, Fallbesprechungen aus dem eigenen Berufsalltag, Rollenspiele zur Nähe-Distanz-Regulation sowie eine Imaginationsübung zum professionellen Selbstschutz. Die Arbeit wird an den konkreten Erfahrungen der Teilnehmenden ausgerichtet – so bleibt das Gelernte unmittelbar anwendbar.
Für wen ist dieses Seminar geeignet?
Das Angebot richtet sich an Fachkräfte und Teams, die in engem Kontakt mit Klient*innen, Bewohner*innen oder Betreuten arbeiten: in der Sozialen Arbeit, der Eingliederungs- und Wohnhilfe, der Jugendhilfe, der Pflege oder vergleichbaren Feldern. Es eignet sich sowohl für erfahrene Fachkräfte, die ihre Haltung reflektieren möchten, als auch für Teams, die eine gemeinsame Sprache für ein oft unausgesprochenes Thema entwickeln wollen.
Das Seminar wird als Inhouse-Veranstaltung direkt bei Ihrer Einrichtung durchgeführt oder – nach Absprache – in unserer Berliner Praxis.